CD-Rezension zu “I know it when I hear it” in Rocktimes (August 2020)

"Erst vor drei Jahren hatte der Bielefelder Gitarrist Jörg Fleer ein Solo-Album veröffentlicht, das war Mi Amigo Tranquilo. War jenes mit akustischer Gitarre eingespielt worden, so sieht es bei "I Know When I Hear It" anders aus. Denn nun dominiert die elektrische Gitarre. Und warum wieder solo? Dazu äußert sich der Protagonist wie folgt: »Die Gitarre sollte wie beim Vorgängeralbum ganz nah am Ohr sein, deswegen habe ich bewusst auf andere Instrumente verzichtet…«
Die siebzehn neuen Kompositionen sind in den letzten vier Jahren entstanden. Bereits nach zwei Stücken spüre ich diese entspannte und entspannende Atmosphäre. Vornehmlich sollte man die Musik stilistisch dem Jazz zuordnen. Und so werden auch stets Assoziationen wach zu Kollegen wie John Abercrombie, John McLaughlin, Al Di Meola, Bill Connors oder Pat Metheny. Etwas aus der Reihe tanzt zunächst "The Past In Us", wenig elektrisch klingend, und wie eine Skizze zu spontanen Gedanken wirkend, vielleicht an die eigene Vergangenheit?
Und so kann man durchaus versuchen, die eigentlich aussagekräftigen Songtitel anhand der Musik zu deuten. "At The End Of August", ja, da kann man eine sogenannte saisonale Endstimmung mit ein wenig Wehmut über den gehenden Sommer spüren. "Sun In My Mouth", da strömen die Sonnenstrahlen mit rhythmischer gitarristischer Fingerfertigkeit herab, und nach dem kurzen Intro fließt die Stimmung dann mit südamerikanisch anmutender Leichtigkeit dahin, dieser Titel hebt sich auch mit seiner Besonderheit aus der Gesamtheit ab.
Vom Sommer bis zum Winter liegt dann nur die Pause zwischen den Tracks fünf und sechs. "So Cold I Can See My Breath" klingt allerdings eher so, als hätte man sich angesichts der kalten Temperaturen schleunigst in die warme Stube begeben, und berichtet dort vom draußen herrschenden kalten Wetter.
Ja, und so kann man, sofern man bereit ist und sich darauf einlässt, jedem Track seine eigene Vorstellung einhauchen und durchaus auch auf eigene Interpretationen stoßen. Ich sehe die einzelnen Songtitel auch als individuelle Denkanstöße. Was jedoch enorm wichtig ist, dass diese Musik Zuneigung und Zeit benötigt, Zeit zur Muße. Einfach neben etwas daher laufen lassen, das geht zwar, sollte aber nicht sein, weil dann die Feinheiten verloren gehen.
Jörg Fleer hat mit Sicherheit auch viel Arbeit in die Ausarbeitung seiner Kompositionen gesteckt, hat daran getüftelt, wie jede einzelne Idee musikalisch umzusetzen sei, sowohl in den Arrangements als auch in den jeweiligen Solopassagen. Ganz besonders auch daran, es zu schaffen, dass jeder Song eine eigene Botschaft innehat und vermittelt, so dass zwar einerseits ein stimmiges Gesamtbild entsteht, jedoch noch immer genügend Spielraum für Einzelelemente verbleibt. Und das ist gelungen, denn wenn man sich gerade ein wenig eingekuschelt hat in eine Stimmung, dann wird diese unterbrochen durch eine andere, einer dieser Titel ist dann auch "Flowers In My Brain", das in meinem Hirn einen gar bunten Strauß wachsen lässt. Der Solopart glänzt durch seine individuelle Spielweise, die Gitarre klingt teils wie gedämpft und erzeugt einen angenehm wattigen Ausdruck. "Déja Vu" ist ein außerordentlich jazzmäßiges Stück, das mich wiederum eher an typische Jazzgitarristen erinnert, hier ein wenig an Leute wie Bucky Pizzarelli. Der perkussive Anschlag ist besonders warm im Ausdruck und diese Spielart liebe ich besonders. Nach einer guten Stunde heißt es Abschied zu nehmen und das Licht wird mit "Lights Out" ausgeknipst. Ein wenig wehmütig bleibt man zurück, nun, es gab ja auch Einiges zu erleben, dann kann man halt ein wenig nachdenklich werden und die Gedanken fliegen lassen.
Mit "I Know When I Hear It" ist Jörg Fleer ein überzeugendes Solowerk voller Emotionen und viel Wärme im Ausdruck gelungen."

(Wolfgang Giese/Rocktimes/08-2020)

 

Vorschau: “Triett” im Bürgerhaus (Porta Westfalica e. V.)

Sommerkonzertreihe Summer Jazz im "Bürgerhausgarten" mit der Band "Triett"

01.09.2019 15:00 Uhr

TRIETT

Konzertbeginn 15:00h

Eintritt frei

TRIETT, das sind 4 Musiker aus Bielefeld, Dortmund und Düren, die sich dem Fusion-Stil aus Jazz, Rock, Blues und Latin verschrieben haben.

Das Bandprojekt besteht seit Anfang der Neunzigerjahre und hat – nach einer längeren Pause und einer Umbesetzung an der Gitarre – seit 2 Jahren wieder Fahrt aufgenommen.

Gespielt werden Kompositionen der Bandmitglieder sowie Material von Meilensteinen der Fusiongeschichte, als da wären: John Scofield, George Duke, Pat Metheny, den Yellowjackets und anderen.

Alle vier Jungs sind das, was man getrost als „gestandene Musiker“ bezeichnen darf: sie sind in verschiedenen Besetzungen unterwegs und teils auch als Solisten aktiv.

Jörg Fleer (Gitarre) zum Beispiel ist aus der Bielefelder Musikszene schlicht nicht wegzudenken. Neben Duo- und Trio-Projekten hat er auch durch eine Reihe von CD-Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht, in denen er nicht selten auf die Mitarbeit von internationalen Kollegen zurückgreifen konnte (z. B. Peter o'Mara). Kritiken im „Jazzpodium“ bescheinigen ihm eine exzellente Gitarrenarbeit und eine außergewöhnliche kompositorische Qualität.

Klaus Samusch (Bass) ist im gesamten Ruhrgebiet ein gefragter Sideman für stilistisch diverseste Bands.

Klaus Leimkühler (Keyboards) und Norbert Wintergalen (Drums) schließlich sind seit mehr als 35 Jahren zusammen tätig, was man ihrem perfekt aufeinander abgestimmten Spiel anhören kann. 

www.triett.de    

CD-Präsentation: “Ein Holzweg voller Kuriositäten” (Juli 2019)

"Ein Holzweg voller Kuriositäten... Er war mal wieder auf dem Holzweg unterwegs, hat diesen konsequent verfolgt und ist auf der Kulturholzdeele von Wera Kiesewalter und Holger Grabbe gelandet: der Herr Wadowki. Mit ihm reisen die "Bewährungshelfer": Lisa Türk am Schlagzeug, Qusai Zureikat am Bass, Jörg Fleer an der E-Gitarre und Heinz Flottmann an den akustischen Saiten... Kreativ und urkomisch waren Liedtexte und Moderationen. Öffnet Thorsten Wadowski die große Truhe seines Wortschatzes, schöpft er aus einem schier unermesslichen Fundus an Adjektiven und Wortspielereihen. Seine Reime sind erfrischenderweise selten vorhersehbar. Alltägliches wird in absurden Kontext gesetzt und pointiert verabreicht... Zwischen ausgefeilten Nonsens versteckt der Songwriter echte Perlen des Liedermachens, entpuppt sich als feinsinniger Beobachter und melancholischer Poet. Musikalisch waren es vor allem die Soli und Einflüsse Jörg Fleers, die dem Sound mal einen bluesigen, mal jazzigen  Anstrich verpassten."

(Daniela Dembert/Westfalen Blatt/07-2019)

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